Die Strecke von Koblenz nach Sayn ist eine der wenigen Abschnitte, die wir bisher durchwandert haben, in denen der Rhein eine Nebenrolle spielt. Natürlich müssen wir am 27.4.07 zunächst Gevatter Rhein überqueren um unseren Weg über die Festung Ehrenbreistein fortzusetzen.
Die Anreise erfolgte wie üblich ab Köln mit dem IC nach Stuttgart, Abfahrt 6:53. Dies sollte unser letzter Besuch im Koblenzer Bahnhof bei unserer Rheinsteigbegehung werden - dachten wir. Um 8:00 geht es also in Koblenz an einem noch erfrischend kühlen Tag los, bevor das Thermometer sich im Laufe des Tages der 30 Gradgrenze nähert. Am Wegrand geht es bei Schwanens noch gemütlich zu.
Der Weg zur Festung führt eine Weile an der Straße entlang bis es dann endlich bergan durch den Felsenweg zu den Toren der Festung geht. Hier gibt es natürlich noch Ausblicke auf Rhein, Schiff und Reiter satt.
Am Tor erwartet uns modernes "Raubrittertum" - der Weiterweg durch die Festung ist nur nach Entrichtung eines Wegezolls von 1,10 Euro erlaubt. Dafür kann man dann aber auch die weitläufige Anlage erkunden und hat wie wir, die wir früh am Tage unterwegs sind einen schönen Frühstückplatz unter Kastanien mit bester Aussicht auf Rhein, Mosel und Dreiländereck.
Gestärkt geht es dann weiter nach Vallendar. Die Rheinblicke werden weniger, dafür steigt die Temperatur spürbar in Richtung Hochsommer an. Wir registrieren daher erfreut, dass die Wegführung uns stets einen angenehm beschatteten Pfad beschert. Kurz vor Vallendar treffen wir einen freundlichen älteren Herrn, mit dem wir über den Weg plaudern und der uns in Sayn, das Café Kleudgen empfiehlt. Hiervon wird noch zu berichten sein.
In Vallendar trudeln wir kurz nach halb Zwölf ein. Die richtige Zeit für ein kaltes Radler finden doch im Gasthaus ?Die Traube? mit einer schönen Terrasse am Ortsbrunnen wird uns beschieden, dass es ja noch keine Zwölf sei und man sich daher noch nicht zu einer Bewirtung in der Lage sähe. Der Italiener eine Ecke weiter mit schattigem Biergarten sieht das wesentlich entspannter und versorgt uns zwei großen kalten Gläsern des gewünschten Getränks.
Hätten wir mal ordentlich in die Karte geschaut, dann hätten wir Vallendar auch getrost durchqueren können und wären nach ca. 20 Minuten am Wüstenhof angelangt, der uns nun aber mit seiner großen beschatteten gut besuchten Außengastronomie zwar locken aber nicht halten kann. Schade, denn auch die Speisekarte bietet herzhaft Leckeres. Wir sind jedoch gut verproviantiert und ziehen unseres Weges, der bald darauf den Wald verlässt und uns dem offenen Feld und der Sonne überlässt.
So ist es schon nach 14 Uhr bis wir die nächste schattenspendende Hütte sichten, die jedoch vollgemüllt und angejährt ein erbärmliches Bild bietet und nicht zur Rast einlädt. Wieder knappe 20 Minuten später bietet dann der Wiesenhof seine Dienste an. Die Karte ist nicht ganz so reizvoll, dafür sitzt man aber hier sehr schön auf der Wiese und labt sich am nächsten kalten Radler. Kurz hinter dem Wiesenhof gibt es dann wieder mehr Wald und wir nähern uns einer Legende aus der Schulzeit - dem Limes.
Ich versuche mich verzweifelt daran zu erinnern, ob mich eine der lehrenreichen Klassenfahrten zu einem Zeugnis des Limes geführt hat. Vergebens, also beschließe ich, dass ich heute zum ersten Mal und nach fast 40 Jahren des Hörens, den Limes zum ersten Male gesehen habe.
Nun ist Sayn nicht mehr allzu ferne. Vorher gibt es wieder eine schön gelegene und intakte Hütte auf einem Felssporn und wir sehen - den Rhein wieder. Jetzt wird es aber Zeit (ca. 15:15) die Vorräte zu dezimieren und dieser Ort ist durchaus dazu geeignet.
Nach dem späten Mittagessen geht dann zur Burg Sayn und dem gleichnamigen Ort. Auch auf der Burg ließe es sich trefflich rasten, hätten wir dieses nicht schon eben getan und außerdem gilt unser Interesse verstärkt der Frage wie wir zum nächsten Bahnhof gelangen. Denn in Sayn müssen wir den Rheinsteig verlassen und auf den Weg nach Engers machen.
Aber halt, in Sayn gab es doch noch das gerühmte Café Kleudgen. Da muss ich aber noch trotz fortschreitender Zeit hin. Gesagt getan, kurz vor Fünf betreten wir das Café, das gerade da beginnt das Tageswerk zu beenden. Wir bekommen trotzdem noch sehr freundlich unseren Kaffee (lobenswert kein Kännchenzwang, wie ich das von manch altem Omacafé in der Eifel her kenne) und zwei ordentliche Stücke Kuchen (Käsesahne - Ulrike, und Havanna-Torte, die Spezialität des Hauses für mich. Wer kunstvolles Tortenwerk mag, sollte diese Komposition aus Sahne, Baisses, Schokolade probieren). Es hilft allerdings nichts, wir müssen weiter nach Engers und frage daher im Café nach einem Bus oder dem kürzesten Weg. Einen Bus gibt es wohl, aber man weiß nicht wann der am Samstag fährt. Der kürzeste Weg führt 3 Kilometer an der Landstraße entlang (ja das wollten wir immer schon nach einem langen Wandertag machen!). Und dann spricht der Chef des Hauses gelassen "Ich kann Euch auch schnell fahren". Ein Mann, ein Wort und zwei begeisterte müde Wanderer und schon sitzen wir um 18:03 im Zug nach Köln.
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Rheinsteig (fast) ohne Rhein - von Koblenz nach Sayn
@ 2007-05-01 – 10:44:10
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Von Braubach nach Koblenz
@ 2007-04-14 – 20:29:58
Diese Etappe wird etwas länger, es dürften etwa 26 Kilometer auf dem Weg von Braubach nach Koblenz bei schönstem Sommerwetter in April zusammen gekommen sein. Diesmal sind wir eine Stunde später von Köln aufgebrochen (7:53). Um 9:30 geht es von Braubach los. Ein kleiner Tipp: bei schönem Wetter das Frühstück noch etwas aufsparen. Nach ca. 20 Minuten gelangt man zur Kerkester Platte und findet dort einen wunderbaren Frühstücksplatz mit herrlicher Aussicht.

Ein wahres Weiterwanderhemmnis
, das uns aber nicht abhalten konnte unseren Weg nach Lahnstein auf der Höhe fortzusetzen.
Der Weg nach Koblenz ist durch ein munteres Rauf und Runter gekennzeichnet und die Lust der Rheinsteigkonstrukteure an der Strecke (dazu später). Der Weg bis zur Lahn ist schön und abwechslungsreich - die Hotel- und Santoriumsbetonklötze können das zum Glück nicht ändern.
Nach der Lahnüberquerung findet sich die nächste Versuchung - eine einfache Außengastronomie lädt zu einem ersten Radler ein bevor es zur Ruppertsklamm geht.
Vor der Ruppertsklamm sollte man der Karte und dem Verlauf des Weges kurze Aufmerksamkeit schenken. Denn hier haben die Erschaffer des Rheinsteigs wieder nach dem Motto der Weg ist da Ziel gehandelt. Folgt man diesem Motto, dann bewegt man sich die nächsten zwei Stunden in einer ausschweifenden Zickzackbewegung durch die Ruppertsklamm, an einem Berghang langsam empor. Eigentlich nicht schlimm aber wenn man die Klötze von Lahnstein auf der Höhe zum vierten Male auf der gegenüberliegenden Seite sieht, dann denkt man doch über eine zielstrebigere Wegführung nach. Abhilfe ist jedoch möglich:
Variante 1: Die Ruppertsklamm verlängert den Weg nach Koblenz um 2 Kilometer, die sich aber landschaftlich lohnen. Zum Teil verhelfen Seilversicherungen der ganzen Angelegenheit einen alpinen Anstrich. Am Ende der Klamm wird man zu dem mit einer großzügigen Raststelle belohnt.
An dieser Stelle kann man auch direkt zum Aussichtsturm am Lichter Kopf aufbrechen.
Variante 2: Am Beginn der Ruppertsklamm kann man sich für oder wider die Klamm entscheiden. Ohne Klamm kann man sich an einem zünftigen Aufstieg erfreuen, der an einem Rastplatz vorbei zum Aussichtsturm am Lichter Kopf führt. Den Aussichtsturm kann man auch mitnehmen, wenn man ab dem Rastplatz nicht dem Rheinsteig sondern dem Zeichen des Rheinhöhenweges "R" folgt. Von dort, wo er wieder auf den Rheinsteig stößt, ist es nur ein kurzer Abstecher zum Turm, der einen Ausblick nach Koblenz bietet.
Wir machen natürlich das volle Programm mit - Rheinsteig by fair means, quasi.
Nach dem Lichter Kopf geht es langsam aber sicher bergab bis zum Rheinufer. Der Rheinsteig führt dabei durch das Bienhorn-Tal und liefert damit einen landschaftlich schönen Abschluss bevor man die Stadt betritt. Zwischen durch stößt man auf interessante Fundstücke am Wegesrand. Nach der hinter uns liegenden Strecke und den sommerlichen Temperaturen phantasieren wir uns einen Biergarten am Ende des Bienhorn-Tals herbei, was aber nicht funktioniert.
Also schleppen wir uns noch über die Pfaffendorfer Brücke und blicken zurück auf einen Teil des Rheinsteigs, den wir in den letzten zwei Jahren begangen haben.

Und auf die kommende Wegstrecke zur Festung Ehrenbreitstein.
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Von Kamp nach Braubach
@ 2007-04-08 – 20:32:12
Ostersonntag 2007 setzten wir unsere Begehung des Rheinsteigs von Kamp aus fort. Mittlerweile haben wir uns Köln doch ein gutes Stück genähert. Mit dem bewährten 6:53 EC sind wir, mit Umsteigen in Koblenz, schon um 8:18 an unserem Ausgangspunkt in Kamp. Dorthin hatte uns die letzte Etappe im Jahr 2006 gebracht.

Der Aufstieg von Kamp geht zügig bergan. Was uns nur recht sein kann, denn zu Beginn des Tages ist es noch empfindlich kalt und nebelig und so wird uns schnell warm. Auf der Mitte des Weges zwischen Kamp und Filsen gibt es Frühstück in einer Hütte. Langsam kämpft sich die Sonne durch und auf dem gegenüberliegenden Ufer schält sich Boppard aus dem Dunst.
Ab jetzt wandelt sich der Tag zu dem versprochenen strahlend blauen Frühlingstag und wir genießen einen schönen Wanderweg, der mit dem ein oder anderen zünftigen Anstieg den Kreislauf ankurbelt. Auf der Wegstrecke hinter Osterspai zweigt ein kleiner Pfad rechts zu einer kleinen Kapelle ab. Auch hier lässt sich auf einigen Bänken hervorragend rasten.
Die Marksburg ist schon von weitem sichtbar. Auf dem Weg dorthin bieten sich um die Mittagszeit einige Bänke mit schönen Aussichten an (allerdings heiß begehrt, da pro Aussichtspunkt nur eine Bank zur Verfügung steht - auf einer verfaulenzen wir eine Stunde lang unsere Mittagspause). Auf der Burg gibt es leider, neben der Besichtigungstour, nur ein SB-Restaurant. Daher steigen wir weiter nach Braubach ab und genehmigen uns lecker Kuchen und Kaffee bevor es um 15:40 zurück mit dem Zug nach Köln geht.
Eine insgesamt sehr schöne Tour von etwas mehr als 16 Kilometer Länge mit einer Gehzeit von 4,5 Stunden, die sich mit schönen Pausen anreichern lässt. -
Von Geisenheim nach Rüdesheim
@ 2005-07-04 – 17:15:12
Das Frühstück im Hotel zur Post ab 8:00 ist reichhaltig, wenn auch unspektakulär. Hier können wir unsere Übernachtung mit EC-Karte bezahlen.

Wir bestellen uns ein Taxi und lassen uns zum Schloss Schwarzenstein oberhalb von Johannisberg bringen, um den unterbrochenen Rheinsteig wieder aufzunehmen. Hier stoßen wir auch auf die gelbe Rheinsteigmarkierung, die Abzweigungen vom Hauptweg markiert. Auf ihr gelangen wir zurück auf den blau markierten Hauptweg und wandern auf schönen Waldwegen in Richtung Kloster Marienthal.

Kurz hinter dem Steinbruch am Sandkopf ist es dann wieder Zeit in das rheinsteigerische Nichts abzutauchen. Der gut markierte Weg führt in eine Linkskurve, die in das Tal des Elsterbachs hinabführt. Das ist eigentlich nicht schlimm, denn auch dort führt der Weg zum Kloster Marienthal. Schade ist nur, dass dies wieder einmal nicht der Rheinsteig ist, der etwas linker als die Linkskurve und von uns unbemerkt abgebogen sein muss. Die Bremsenattacken am Bach wären uns sicherlich am oberhalb verlaufenden Rheinsteig erspart geblieben. So opfern wir etwas Blut und werden kurz darauf durch Orgelklänge im Wald getröstet, die vom Gottesdienst unter freiem Himmel vom Kloster her uns entgegen klingen.

Direkt am Kloster liegt das Waldhotel Gietz, das als Übernachtungsmöglichkeit dienen kann. Ab dem Kloster Marienthal können wir zur UNESCO-Karte wechseln, auf der der Rheinsteig bereits eingezeichnet ist. Jetzt sollte er uns nicht mehr so leicht abhanden kommen wie in den letzten beiden Tagen. (Leider scheint die Karte nicht sonderlich stabil. Bereits nach einem Tag stellen sich, an häufiger benutzten Knickstellen, Risse ein.)

Auch dieses Wegstück ist landschaftlich schön gelegen. In den Weinbergen oberhalb von Eibingen sehen wir die Abtei St. Hildegard und freuen uns schon auf eine kurze Einkehr, denn heute scheint die Sonne und in den Weinbergen fehlt es an Schatten und an Rastplätzen. Die Abtei ist aber ernsteren Dingen gewidmet. Der Klosterladen, in dem Wein und weitere Erzeugnisse der Abtei verkauft werden ist sonntags geschlossen. So nehmen wir nur ein paar schöne Bilder in unserer Digitalkamera mit als wir uns weiter Richtung Niederwalddenkmal davonmachen.

Kurz vor dem Denkmal schlägt der Weg noch einmal einen Haken. Aber mittlerweile haben wir uns gut eingeschaut und erspähen, schon auf dem falschen Weg, durchs Gebüsch die Markierung auf dem 2 Meter entfernt durch eine Hecke verdeckt verlaufenden Rheinsteig.

Am Niederwalddenkmal ist natürlich richtig was los, Blasmusik, Fressbüdchen und ein Asbach Uralt Cola Stand, der aber um diese Zeit (12:30) zu unserer moralischen Erleichterung nicht zu sehr frequentiert ist. An der Seilbahn gibt es eine, dem Drachenfelsrestaurant vergleichbare, architektonische Greueltat in Beton, die man aber meiden kann in dem man etwas bergab zum Rebenhäuschen absteigt.

Hier sitzt es sich wunderbar in einer Weinlaube mit Blick über den Rhein und zurück in Richtung Johannisberg. Da ist es schön, dass hier für heute Endstation ist. Wein und Essen zu moderaten Preisen munden bei solchem Wetter und dieser Aussicht vorzüglich. Mit der Seilbahn geht es anschließend hinab nach Rüdesheim, das mit seiner Drosselgasse noch einmal kurz alles aufbietet was ein Vorurteil zu bieten hat.

Vor dem Bahnhof überlegen wir noch, ob wir mit der Fähre nach Bingen übersetzen sollen, um dort einen durchgehenden Zug nach Köln zu erwischen. Da aber ein Regionalzug nach Koblenz in 10 Minuten fährt entschließen wir uns dagegen. Was in diesem Falle nicht klug war, denn nun hatte uns die Bahn mit einem Erdrutsch und einer miserablen Informationspolitik in ihren kompetenten Krallen, aus denen sie uns erst vier Stunden später am Kölner Hauptbahnhof entlassen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte. -
Von Schlangenbad nach Geisenheim
@ 2005-07-04 – 17:09:35
Frühstück gibt es im Hotel Ricarda ab 8:00. Hier gibt es neben normalen auch Vollkornbrötchen so wie Wurstaufschnitt, Käse und ein gekochtes Ei; und unsere Thermoskanne füllt man uns auch mit Tee. Beim Frühstück stoßen wir auf einen weiteren Rheinsteigentdecker, der in die Gegenrichtung nach Wiesbaden wandert. Neben den erfreulichen Aussichten, die er uns für unsere heutige Tagesstrecke ankündigt, stellen wir gemeinsam fest, dass die Markierung, die auf geraden Strecken häufig zu finden ist, gerade an Abzweigungen Schwächen zeigt und schwer zu finden ist. Dabei gibt es extra für Abzweigungen auch Markierungsschilder mit Richtungspfeil. Der Pfeil ist jedoch recht dünn und leicht zu übersehen, wenn man so seines Weges trottet. Das mag mit ein Grund gewesen sein, dass wir am gestrigen Tag viermal den Weg verloren hatten. Eine Zahl, die unser Rheinsteigentdecker auch für sich und seinen gestrigen Tag verbuchen konnte. Also „Augen auf“ heißt die heutige Devise und wir machen uns wieder auf den Weg.

Den Weg hatten wir unterhalb des Parkhotels gestern wieder entdeckt. Vorweg sei gesagt, dass unser heutiges Wegstück wesentlich reizvoller war als das gestrige, und das nicht nur, weil wir uns vom Weg und seinen Markierungen haben weniger foppen lassen. Durch Wald geht es nun Richtung Rauenthal, das wir oberhalb des Weges links liegen lassen. Mitten auf der Strecke zwischen Schlangenbad und Rauenthal findet sich ein Wassertretbecken. Für uns leider etwas zu früh. Zu früh gelangen wir auch zum Waldgasthaus Rausch, das einen einladenden Eindruck macht. Aber es ist kurz vor Elf und noch keine Zeit zur Einkehr. Interessehalber fragen wir nach ob man hier auch übernachten kann. Das kann man aber leider nicht.

Von hier geht es nach Kiedrich. Unser Wanderkollege hatte gestern zu bedenken gegeben, dass der Weg in den Ort hinab und auf der anderen Seite wieder hinaufführt und was durch eine Umgehung oberhalb des Ortes sicherlich kürzer zu erledigen sei.

Kiedrich sollte sich allerdings als sehenswerter Ort erweisen, so dass wir es nicht bereut haben dem Weg gefolgt zu sein. Vor Kiedrich heißt es jedoch „Wanderer aufgepasst“. Während sich alle sonstigen Wegmarkierungen an einer Weggabelung an einem Baum in Blickrichtung des Wanderers konzentrieren findet sich die Rheinsteigmarkierung erst nach einigem Hinschauen weiter rechts. Der Weg führt nun zur Ruine Scharfenstein oberhalb von Kiedrich.

Ohne Karte heißt es auf diesem Wegstück die Markierung sorgsam im Auge zu behalten. An der Burg gibt es einen großen Rastplatz mit Grillstellen. Von hier hat man einen guten Blick über den Ort und hinunter zum Rheintal. Der Weg in den Ort verläuft als Pfad neben dem Kiedricher-Bach und führt uns zu einem mittelalterlichen Ortskern.

Wir stellen für uns fest, dass Kiedrich sicher auch ein schöner Endpunkt für eine Wanderetappe sein könnte, versorgen uns jedoch mit Wurst und Brötchen und ziehen weiter zum Kloster Eberbach.
Hinter Kiedrich geht es zunächst durch Gärten und Weinberge bis hin zu einer großen Wiesenfläche auf der man mittendrin (Markierungspfosten) nach links in den Wald abbiegen muss. Im Wald überquert man ein Brückchen und landet in mitten umgestürzter Bäume und mehrerer Wege im rheinsteigerischen Nichts. Nur gut, dass an dieser Stelle der Weg mit dem Rheingauer-Riesling-Pfad identisch ist, dem wir nun trotzig folgen bis sich später wieder unsere Rheinsteigmarkierung hinzugesellt.

War es am Gasthof Rausch noch zu früh so knurren jedoch gegen halb Zwei langsam unsere Mägen und dann liegt Kloster Eberbach endlich vor uns. Dem ungeduldigen Wanderer sei nun empfohlen dem Riesling-Pfad zu folgen, der ihn direkt zu den Toren des Klosters bringt. Der Rheinsteig führt uns jedoch nach rechts an die Rückseite des Klosters wo einem allerdings das Vergnügen vergönnt ist durch eine kleine Pforte in den Klosterbereich zu schlüpfen.

Hier finden wir auch endlich das, was wir uns unter der guten Küche der Region zusammenphantasiert haben. Wurst und Brötchen müssen noch warten, dafür gibt es leckeres dunkles Klosterbier (0,5, 3,50), Bärlauchbratwurst (13,10) und Spanferkelsülze (9,80). Dazu sitzt man auf einer schönen und gut besuchten Terrasse. Weiter unten, am Haupttor gibt es eine Selbstbedienungsgastronomie, die mit günstigeren Preisen aber auch sicherlich mit ebenso leckeren Dingen aufwartet.
Nach Kloster Eberbach zeigt sich der Rheinsteig weiter von seiner besten Seite und führt unterhalb der Siedlung Am Rebhang in Richtung Hallgarten.

Dort geraten wir allerdings wieder für eine Weile ins rheinsteigerische Nichts. Nachdem der Rheinsteig uns zusammen mit dem Rieslingpfad an eine Straße herangeführt hatte, verlief letzterer geradeaus während die Rheinsteigmarkierung uns links die Straße herunterlockt, um danach zu verschwinden. Dank Karte unternehmen wir eine kühne Umgehung der Hallgarter Sportanlagen, pfeifen auf den Rheinsteig und trachten danach den Riesling-Pfad zu erreichen. Dort angelangt finden wir wieder prompt die Rheinsteigmarkierung, die damit allerdings für heute ihre Kapriolen beendet hat und sich für den Rest des Tages als zutraulich und auffindbar erweist.
Gegen halb Fünf stoßen wir mitten in den Weinbergen auf das Weingut und Gasthof „Kühnsmühle“. Hätten wir nicht schon in Geisenheim gebucht, dann hätten wir mit Sicherheit hier um Unterkunft nachgefragt.

So ziehen wir weiter und gelangen zum malerischen Schloss Vollrads, das wieder mit schöner Terrasse und Wein lockt. Wir haben jedoch einen anderen Plan gefasst: Wir wollen jetzt noch bis Schloss Johannisberg durchwandern und es uns dann dort gut gehen lassen, um anschließend satt und rund nach Geisenheim ins Hotel zu spazieren. Leider haben wir nicht die Rechnung mit dem Rheingau Musikfestival gemacht, das auf der Anlage von Schloss Johannisberg stattfindet und das somit uns hungrigen und durstigen Wanderern verschlossen bleibt. Ein Gutes hat jedoch der Festivalauftrieb, leere Taxen fahren Richtung Rhein und helfen uns unsere Enttäuschung zu dämpfen und unsere Füße zu trösten. Wir winken uns ein Taxi heran und lassen uns die restlichen vier Kilometer nach Geisenheim kutschieren.

Im Hotel zur Post, schön am Rathausplatz gelegen (Rüdesheimer Straße 35, 65366 Geisenheim, 06722/8188, www.hotel-zur-post-geisenheim.de, ÜF im Doppelzimmer 60,00) gibt es kein Schwimmbad und auch die gastronomische Lage im Ort stimmt zunächst wieder bedenklich. Schnitzel, Steaks und indische Küche bieten die Etablissements, die diesen schönen Platz umlagern. In Richtung Geisenheimer Dom ist es nicht besser. Die Schnitzelorgie garniert mit einem Mexikaner setzt sich fort. Tapfer schleppen wir uns zum Rhein, wo uns die Schnellstraße und das Studentenwohnheim schlimmes ahnen lassen als wir rechts am Ortsrand abbiegen, um am Rande der Schnellstraße wieder einen Bogen zurückzuschlagen, bereit unser Leben ergeben bei, sicherlich sehr leckeren, Schnitzeln zu fristen. Da öffnet sich unversehens ein Tor zur Rechten, das in die Gartenwirtschaft des Weingutes Peter Ohlig führt. Dort gibt es unter Sonnenschirmen kleine regionale Speisen und Wein an Holztischen, und –bänken. Herrlich, der Abend ist gerettet. Später trinken wir am Rathauplatz noch ein Pils und wundern uns immer noch über die augenscheinliche Abwesenheit regionaler Küche an dieser zentralen Stelle.